Mein Weg zurück aus CFS/ME
Ich erinnere mich noch genau daran, wie es sich anfühlte: Das Leben war da – aber ich hatte keinen Zugang dazu. Mein Körper lief ständig auf Reserve, mein Nervensystem war überlastet, und selbst kleine Dinge konnten sich wie ein Marathon anfühlen.
Ich teile hier meine Reise und wie ich wieder zu 100% gesund geworden bin nach CFS/ME, weil ich selbst viele Jahre gebraucht habe, um zu verstehen, was mein System beruhigt – und was es überlastet. Das ist keine medizinische Beratung. Aber es sind ehrliche Erfahrungen und konkrete Schritte, die mir zusammen geholfen haben, zurück in ein gutes Leben zu finden.
Vielleicht findest du darin ein paar Bausteine, die du für dich mitnehmen kannst.
PS: Ich habe keinerlei finanzielle Verbindung zu irgendetwas, das ich in diesem Beitrag erwähne.
Meine Geschichte: Von „ein bisschen müde“ zu einem dunklen Zimmer – und zurück ins Leben
Bei mir begann es nicht als dramatischer Zusammenbruch über Nacht. Zuerst war es „nur“ eine lange Phase der Erschöpfung: Ich war leer, hatte Brain Fog (Gehirnnebel) und begann Angst und innere Unruhe zu spüren – auf eine Weise, die ich vorher nie erlebt hatte.
Ich war zunächst ein Jahr krankgeschrieben, weil ich schlicht nicht mehr funktionieren konnte.
Dann wurde es schlimmer. Irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem selbst kleinste Reize zu viel waren. Licht, Geräusche, Gespräche, Alltag – alles fühlte sich wie Überlastung an. Ich verbrachte schließlich 13 Monate in einem dunklen Raum und war in dieser Zeit praktisch ein Pflegepatient.
Wenn du so etwas erlebt hast, weißt du: Es geht nicht um Motivation. Es geht ums Überleben.
Danach begann nicht einfach „die Heilung“. Was begann, war eine langsame und lange Rückkehr. Ich brauchte weitere drei Jahre mit Arbeitstraining über NAV, bevor ich mich überhaupt wieder dem Arbeitsleben nähern konnte.
Als ich wieder anfing zu arbeiten, wählte ich einen anderen Weg als früher. Ich ging nicht zurück in einen normalen Job, sondern startete in meinem eigenen Unternehmen, weil ich die Belastung selbst steuern musste – mit Flexibilität, Pausen und Anpassung.
Nach insgesamt etwa fünf Jahren außerhalb des Arbeitslebens konnte ich die Kapazität langsam steigern. Ich arbeitete dann ungefähr 50% für vier Jahre, und erst nach rund neun Jahren mit reduzierter Belastbarkeit fühlte es sich so an, als hätte ich genug Bausteine gesammelt, damit Körper und Leben wirklich mehr aushalten konnten.
Heute arbeite ich 100% in meinem eigenen Unternehmen – und das ist etwas, von dem ich viele Jahre lang nicht geglaubt hätte, dass es möglich ist.
1) Lightning Process: Der Wendepunkt (und 33% gesünder)
Lightning Process war für mich ein wichtiger Wendepunkt. Nicht weil „alles über Nacht verschwand“, sondern weil ich begann, mein Nervensystem auf eine neue Weise zu verstehen. Nicht als Feind, sondern als ein System, das man in Richtung mehr Sicherheit trainieren kann.
Ich sage es so ehrlich wie möglich:
Lightning Process hat mich nicht komplett gesund gemacht. Aber es hat mich ungefähr 33% gesünder gemacht. Und das war der entscheidende Unterschied.
Diese 33% waren genug, um wieder in den Alltag zurückzukommen – und die Reise fortzusetzen, in der ich alle anderen Bausteine finden musste, die noch fehlten.
Lightning Process hat mir unter anderem geholfen:
mental aus dem „Krankheitsmodus“ herauszukommen
Stressmuster schneller zu erkennen
mehr Kontrolle und Handlungsspielraum zu spüren
Rückschläge auszuhalten, ohne den Boden zu verlieren
2) Ehrlich zu mir selbst werden: Was gibt mir Energie – und was nimmt sie?
Ein großer Teil meiner Recovery hatte nicht nur mit Technik zu tun. Es ging um Wahrheit.
Ich musste mir eingestehen, dass ich früher extrem gut darin war, zu ignorieren, was eigentlich gut für mich gewesen wäre. Ich konnte mich durch vieles hindurchpushen – auch durch Dinge, die ich innerlich eigentlich nicht mochte. Hektische Jobs, hohes Tempo, Leistungsdruck – ich war gut darin, „durchzuhalten“.
Im Nachhinein sehe ich, dass ich fast zu gut darin war, meine eigenen Bedürfnisse zu übergehen.
Ein großer Shift kam, als ich anfing, mich wirklich zu fragen:
Was gibt mir Energie?
Was nimmt mir Energie?
Wenn ich frei wählen könnte – was würde ich wirklich wollen?
Welche Art von Leben und Arbeit passt eigentlich zu meiner Persönlichkeit?
Je besser ich mich verstanden habe, desto klarer wurde: Recovery geht nicht nur um Symptome. Es geht darum, ein Leben aufzubauen, das mein Nervensystem nicht jeden Tag wieder in Alarm versetzt.
3) Meditation & Mindfulness: Ruhe trainieren – jeden Tag
Ruhe zu trainieren macht einen riesigen Unterschied.
Ich meditiere am liebsten 10–15 Minuten jeden Tag. Nicht als Leistung, sondern als „Hygiene“ für das Nervensystem.
Mindfulness hat mir geholfen:
Stress früher zu bemerken
schneller runterzufahren
nicht in Gedankenspiralen stecken zu bleiben
wieder mehr Vertrauen in meinen Körper zu entwickeln
Und ganz ehrlich: Es war nicht immer angenehm. Aber ich habe gelernt, dass man Ruhe trainieren kann – wie einen Muskel.
4) EMDR und PTSD-Therapie: Das Nervensystem ernst nehmen
Ein wichtiger Teil der Reise war auch Traumatherapie – bei mir durch EMDR.
Viele Menschen mit CFS/ME haben ein Nervensystem, das viel zu lange im Alarmzustand war. Das heißt nicht, dass man „etwas Extremes erlebt haben muss“. Manchmal reichen viele Jahre mit Druck, Verantwortung, Unsicherheit und Überlastung.
EMDR hat mir geholfen:
Stressreaktionen im Körper zu lösen
alte Muster von „einfach durchhalten“ zu durchbrechen
mehr innere Sicherheit aufzubauen
viele unangenehme Erfahrungen rund um Gesundheit und Körper zu verarbeiten
Ich glaube heute: Für viele geht es bei Recovery nicht nur um mehr Energie. Es geht um mehr Sicherheit im System.
5) Stimulanzien streichen: Kaffee, Alkohol und „Pushen“
Ich habe gestrichen:
Kaffee
Alkohol
Stimulanzien generell
Nicht weil es „verboten“ ist, sondern weil mein Körper klar gezeigt hat, dass er später den Preis bezahlt.
Wenn ich stabil sein will, muss ich dem System Sicherheit geben – nicht künstliche Geschwindigkeit.
6) Natur, Tageslicht und draußen sein: 2 Stunden pro Tag sind für mich Magie
Draußen sein ist fast immer ein Teil dessen, was mich stabil macht.
Für mich sind ungefähr 2 Stunden Tageslicht und Natur pro Tag optimal. Am liebsten auch etwas früher am Tag, damit das Nervensystem ein klares „Startsignal“ bekommt.
Das hilft bei:
Stress
Schlaf
mentaler Klarheit
innerer Ruhe
7) Training: Das Schwierigste kam zum Schluss
Training war über viele Jahre etwas, das ich komplett gestrichen habe. Nicht weil ich es nicht wollte – sondern weil ich es nicht vertragen habe.
Über viele Jahre war „Training“ für mich:
Spaziergänge
Alltagsbewegung
mit den Kindern spielen
rausgehen, ohne einen Crash auszulösen
Für mich war vor allem die Kombination Arbeit + Training am schwersten zurückzubekommen.
Und ich weiß nicht genau warum. Vielleicht hatte ich mich jahrelang zu hart gepusht. Vielleicht bin ich anfälliger für Stress und Angst. Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß: Training und Arbeit waren die zwei größten Bausteine, die ich zurückholen musste.
8) Die Lösung: genug Kohlenhydrate, Regeneration – und die Gesamtbelastung verstehen
Der Durchbruch kam nicht durch mehr Druck. Er kam, weil ich ein schlaueres System aufgebaut habe.
Ich hörte auf, mit Spezialdiäten zu experimentieren, und begann stabiler und ausgewogener zu essen. Und ein Punkt war entscheidend:
Kohlenhydrate waren ein Gamechanger für mich.
Gerade nach dem Training fülle ich auf mit:
✅ Kohlenhydraten + Protein
Das beruhigt meine Stressreaktion und sorgt dafür, dass ich über Zeit mehr vertrage. Deshalb würde ich persönlich von extremen Low-Carb- oder Keto-Ansätzen in einer sensiblen Phase abraten.
9) Schlaf: 7–8 Stunden – und Power Nap wenn nötig
Schlaf ist bei mir nicht verhandelbar.
Ich versuche meistens:
7–8 Stunden pro Nacht
Und an Tagen, an denen mein System es braucht:
20 Minuten Power Nap
Nicht als “Flucht”, sondern als Strategie.
Erholung ist kein Rückschritt – sie ist Training für Stabilität.
10) Nahrungsergänzungsmittel: Bausteine, die mir mehr Kapazität gegeben haben
Supplements waren keine Magie. Aber sie waren starke Unterstützer.
Meine wichtigsten:
Kreatin (10–15 g täglich)
Gibt mir mehr Kapazität – besonders in Kombination mit Training.
Thorne Stress Balance (ca. 3–4 Kapseln täglich)
Einer der wichtigsten „Stress-Bausteine“ für mich im Alltag.
Fischöl (Omega-3)
Ein Basis-Supplement, das ich regelmäßig nehme.
Vitamin D
Besonders hilfreich in dunklen Monaten.
Magnesium
Hilft bei Muskelregeneration und innerer Ruhe.
Reishi
Eine Art „Nervensystem-Support“ für mich, besonders abends.
Holy Basil (Tulsi)
Fühlt sich unterstützend an für innere Ruhe.
Relora
Habe ich genutzt, um Stressreaktionen abzufedern.
Tongkat Ali (800 mg täglich)
Ich nehme 800 mg und ich bin überzeugt, dass es mir mehr Energie, mehr Reserve und schnellere Regeneration nach dem Training gibt.
Wichtig: Das ist meine Erfahrung, keine medizinische Beratung. Langsam testen – und am besten nur eine Sache nach der anderen.
11) Entspannung nach dem Training: 10–20 Minuten machen einen großen Unterschied
Ich mache nach dem Training oft 10–20 Minuten Entspannung. Einfach ruhig zu landen nach Belastung hilft meinem Körper, schneller zu regenerieren.
12) Periodisierung: Ich trainiere nach dem, wie voll das restliche Leben ist
Ich habe gelernt, Training als Teil der Gesamtbelastung im Leben zu sehen.
An manchen Tagen pushe ich mehr.
An anderen Tagen trainiere ich ruhiger – meistens mit 2–3 Wiederholungen in Reserve pro Satz.
Ich plane mein Training danach, wie voll die Woche beruflich ist. Das war ein Schlüssel dafür, wieder mehr tun zu können, ohne einen Crash zu riskieren.
Was ich heute glaube: Recovery ist Nervensystem + Biologie + Entscheidungen über Zeit
Für mich war es nicht „eine Sache“. Es war ein Zusammenspiel:
Ruhe im Nervensystem
weniger Stress
intelligente Belastungssteuerung
genug Kohlenhydrate
bewusste Regeneration
bessere Entscheidungen im Leben
Und Geduld.
Wenn du mitten drin steckst: Du bist nicht schwach. Du bist nicht faul. Du bist nicht kaputt.
Du bist in einem System, das überlastet ist – und das wieder lernen kann, sich sicher zu fühlen.
Wenn du willst: Ich teile gerne mehr von dem, was ich konkret gemacht habe
Wenn du Fragen hast oder Unterstützung möchtest, um einen stabileren Alltag aufzubauen, kannst du dich gerne melden.
Es gibt Wege zurück. Und manchmal beginnen sie nicht mit großen Sprüngen – sondern mit kleinen, klugen Entscheidungen, die man lange genug wiederholt.